Wir erziehen eine „Leck mich am Arsch Generation“

Wir erziehen eine „Leck mich am Arsch Generation“

Wie du das Potenzial deines Kindes gezielt hemmen kannst? Indem du versuchst, ihm möglichst viele Entscheidungen abzunehmen, ihm sämtliche Hindernisse aus dem Weg räumst und ihm keine Grenzen setzt. Damit sich das Schätzchen „gut behütet“ und „grenzenlos“ entwickeln kann. Aber das ist alles andere als Potenzialentfaltung.
Am Arbeitsmarkt sprechen viele Arbeitgeber heutzutage immer häufiger von einer Generation an jungen Menschen, die:

a) nichts selbstständig auf die Reihe bringen
b) für die Disziplin ein Fremdwort ist
c) die null Problemlösungskompetenz haben 
d) denen eigentlich alles „am Arsch vorbeigeht“ und Respekt ein Fremdwort ist.
Kurzum: im Job kaum brauchbar. Bei näherer Betrachtung: kein Wunder.

Die heutige Generation an Kindern und Jugendlichen wächst komplett anders auf als noch vor zwei/drei Jahrzehnten – was ja - wenn wir mal kurz überlegen - noch gar nicht allzu lange her ist. Alles nahm seither an Geschwindigkeit zu, alle Infos, Inhalte, Meinungen, Forschungen etc. gibt es jederzeit und überall für jeden digital auf einen Klick abrufbar. Was heute aktuell ist, ist morgen schon wieder überholt. Entscheidungen in der heutigen Zeit zu treffen – eine große Herausforderung - denn: Was "richtig" und "falsch" ist - kaum abschätzbar. Steht eine "Fachmeinung" doch -zig anderen konträr gegenüber.

Auch Eltern haben heute in gewisser Weise häufig ein immenses Entscheidungsproblem was "richtig" oder "falsch" ist, was die Erziehung des Kindes angeht: zu jedem „Problem“ findest du unendlich viele unterschiedliche Antworten, Methoden und Erfahrungen. In den Social Media Kanälen strahlende, „perfekte“ Mama’s und ihre Tipps sowie haufenweise Ratgeber omnipräsent im ganzen Netz. Das alles gab es vor zwei/drei Jahrzehnten nicht. Da waren es die gute alte Tageszeitung, Bücher, Fachpresse, Fernsehen und Radio. Da gab es Autoritätspersonen, zu denen auch die Lehrer noch zählten. Da gab es weitaus mehr ungeschriebene Regeln an die man sich einfach gehalten hat - die generationentechnisch weitergegeben wurden. Man grüßte sich beispielsweise. "Bitte" und "Danke" stand an der Tagesordnung. "Ohne Fleiß, kein Preis" - war eine vorherrschende Grundhaltung, ohne die diese Generationen vorher niemals das alles aufbauen hätten können, was durch Kriege zerstört wurde. Die Menschen hatten noch eine natürliche Art von "Grundwertschätzung" in ihrer Haltung. Ich schreibe hier selber noch aus Erfahrung, denn mit meinen 42 Jahren kann ich mich da noch sehr gut daran erinnern. In gewisser Weise war das Leben einfacher - weil es nicht so viele Wahlmöglichkeiten und Informationen gab. War es damals besser? Keine Ahnung. Aus meiner subjektiven Wahrnehmung war es entspannter. Probleme waren einfach anders gelagert. Aber eines wird für mich immer deutlicher erkennbar: gewisse Werte und Haltungen von früher sollten wir wieder kultivieren - wie beispielsweise Disziplin, Respekt, Wertschätzung.

Heute sind Mütter verunsicherter denn je was die Erziehung der Kinder betrifft - meist mischt sich zur Unsicherheit noch ein schlechtes Gewissen (Working Mum's). Druck spürbar wortwörtlich aus allen Kanälen. Überforderung gepaart mit einem schlechten Gewissen - ganz gewiss keine gute Kombi. Und über wahre Gefühle sprechen die wenigsten. Somit machen die meisten Mama’s einfach das, was die anderen Mama’s in den Social Media Kanälen bzw. in ihrem Umfeld so betreiben – also ein "copy/paste-Modus": das Kind bis vor die Klassenzimmertüre mit dem Auto fahren bzw. auch in der restlichen Zeit das "24-Stunden-Mama-auf-Abruf-Taxi; alles kontrollieren, mitbestimmen und beim geringsten „Problem“ in der Sprechstunde des Lehrers sitzen; bei Anzeichen von ersten "Defiziten" sofort privaten Förderunterricht organisieren; bei kleinsten Streitereien des Sprösslings umgehend die Mama des anderen Kindes anrufen um das zu klären; den Freizeitplan minutiös „sinn- und pädagogisch wertvoll“ verplanen; an Geburtstagen und Weihnachten das Kind mit Tonnen an sinnlosem Spielzeug zu überhäufen (wo Sprössling nicht einmal mehr registriert, was da eigentlich alles liegt). Die Kinder werden auf ein Podest gestellt, dürfen überall mitbestimmen bzw. selber bestimmen (und das hat NICHTS mit Kommunikation auf Augenhöhe zu tun!!!) und es wird in einer Sprache mit ihnen gesprochen, die es unbewusst dazu machen MUSS: sich zum kleinen Diktator zu entwickeln, der alles für selbstverständlich hält.
Mit ca. 8 Jahren beginnt dann zusätzlich das Eintauchen in die „digitale Parallelwelt“ auf Instagram-, Snapchat-, Youtube & Co am EIGENEN Smartphone und/oder Tablet des Kindes, umgeben von schön retuschierten Menschen in Markenklamotten die in ihren Stories laut verkünden, wie sie mit ihren Videos und Fotoblogs Unmengen und ganz easy die „Mega-Kohle“ verdienen bzw. zum Star-Influencer geworden sinn …. Das alles formt - aber völlig realitätsverzerrt. Denn Erfolg war schon immer mit einem gewissen Maß an Fleiß und Disziplin gepaart (und ja, auch in der digitalen Welt steckt hinter den Kulissen der wirklich erfolgreichen Menschen eine Menge Fleiß und Disziplin!!), aber der Weg dahin wird ausgeblendet. Kinder und Jugendliche sehen somit immer nur das perfekte Endergebnis - und wenn es nicht läuft und mühsam ist: Scheiss drauf, dann mach ich halt was anderes. Diese "Haltungsprozesse" werden vor allem selbstverständlich und zur Realität. Es gibt keine Grenzen, es gibt auch nichts mehr für das es die Mühe Wert wäre, sich anzustrengen, oder es sich zu verdienen – weil Sprössling von klein auf gelernt hat, dass er von Mama und Papa sowieso alles bekommt bzw. geregelt kriegt - irgendwie funktionierte das ja immer. Sich selbst etwas zu erarbeiten.... puh, viel zu anstrengend.

Die wichtigen Entwicklungserfahrungen wie Selbstwirksamkeit (wenn Sprössling selber für sich ein- und gerade stehen muss und nicht Mama oder Papa immer alles erledigt und eingreift), Selbstorganisation (auszuprobieren, was es an Schritten braucht, um eigenständig zum benötigten Ergebnis zu kommen), erforschen, Fehler machen & eine auf den Deckel kriegen, Dankbarkeit für Bekommenes bzw. Respekt zeigen und empfinden, sich für etwas anstrengen …. All das lernt die heutige Generation immer weniger. Das meiste geht ihnen einfach „am Arsch vorbei“ und ist eine Selbstverständlichkeit. Und mich wundert das nicht. Wir erziehen sie dazu. It's not what you preach - it's what you tolerate.
Werte, Disziplin & Grenzen setzen in Liebe - machen durchaus Sinn, richtig angewendet. Richtig eingesetzt – vor allem abgestimmt auf die natürlichen, individuellen Talente eines jungen Menschen – motivieren diese sogar, mehr als je zuvor in der heutigen, unbeständigen Zeit. Diese positive Erfahrung habe zumindest ich mit vielen jungen Menschen in meinem Umfeld gemacht. Und auch mit meinen eigenen Kindern. Sie schätzen das.

Wie du übrigens Stärken und Talente wissenschaftlich fundiert, messbar machen kannst, erfährst du in meinem nächsten Blogbeitrag.

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